Sonntag, 15. Mai 2016

Island - Feuer - Wasser - Insel am Polarkreis

Tag VI

 

Noch eine Gelegenheit, eine weitere Schule in Reykjavík kennenzulernen: Die

Tækniskólinn an der Hallgrimskirkja ist eine der wichtigsten weiterführenden Schulen des Landes.




Wie uns der Marketingdirektor stolz mitteilt, setzt man hier auf projektorientiertes Lernen. 





Da die duale Ausbildung hier unbekannt ist, gibt es Werkstätten für Schreiner und Elektriker









wo, gesteuert durch Projekte, Schritt die Ausbildung durchlaufen wird. Sehr eindrucksvoll ist die Multimediaabteilung mit dem typischen Händchen für nordisches Design.




 















Ende April: Schüler feiern ausgelassen ihren Abschluss. A propos Feiern: Auf unsere Frage "wie?" kam spontan die Antwort "na ja, mit Alkohol" - und wie genau, 






wo doch kein einziger Schüler Problem mit Alkohol und Drogen haben soll? Und wo es doch offiziell doch kaum Alkohol zu kaufen gibt? "Sie wissen es sich zu beschaffen..."


 

Auffällig und beneidenswert ist immer wieder die große Gestaltungsfreiheit, die die isländischen Schulen genießen, und bemerkenswert ist das Leitmotiv "happiness", das sich durch die gesamte Schullandschaft zieht.  




Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass eigenverantwortliches, selbständiges Lernen, das hier zu funktionieren scheint. Ich habe den Eindruck, dass das mit dem Selbstverständnis der Isländer zu tun hat, mit dem unbändigen Willen, unabhängig und für sich selbst verantwortlich zu sein.

Montag, 9. Mai 2016







Island - Feuer - Wasser - Insel am Polarkreis

Tag V

... Sports, arts and horse ...

 

Am Vormittag besuchen wir die Framhaldsskóli ( = höhere Schule) Mosfellsbæjar etwas außerhalb Reykjavíks, ein modernes Gebäude im nordischen Stil








 













Gespannt hören wir unserem "Co-ordinator" Edoardo zu, wie er Grundzüge dieser Schule vorstellt






Auffällig ist immer die entspannte Atmosphäre an isländischen Schulen,
überall die bequemen Stühle, und Lehrer und Schüler sind nicht an die Klassenzimmer gebunden. Das Gebäude ist aufgeteilt in verschiedene Bereiche: Mathematik, Naturwissenschaften, Isländisch und Fremdsprachen, innerhalb derer die Schüler sich aussuchen können, wo sie am liebsten arbeiten möchten.

 








Der Lehrer gibt eine Einführung in das neue Thema, dann stellt er Transferaufgaben, mittels derer die Schüler den Stoff selbständig vertiefen. Sie verziehen sich also an ein Plätzchen, das ihnen behagt, gerne mit Ohrstöpsel, möglicherweise auch im Freien, um an den gestellten Aufgaben zu arbeiten. Sollten Fragen auftreten, ist der Lehrer immer in der Nähe und bereit, zu unterstützen.
 
 


Wie viele moderne Gebäude in Island hat auch diese Schule Wände aus Beton - es gibt kaum Bäume und damit kein Holz auf der Insel, außerdem muss erdbebensicher gebaut werden - und als Schallschutz wurden hier formschöne farbige Filzhalbkugeln oder Halbsäulen verwendet.




Der Unterricht findet ganztags statt, es gibt selbstverständlich eine Cafeteria, in der die Schüler Frühstück, Snacks oder Mittagessen bekommen. Im Sommer gibt es drei Monate Ferien, damit alle Licht und Sonne genießen können.

Als die Schule vor zwei Jahren neu erbaut wurde, und bevor die Schüler in das neue Gebäude umzogen, wurden sie befragt, welche Werte ihnen wichtig sind. Dabei wurden genannt: Respekt, Gerechtigkeit, Freude, Ehrgeiz, Gleichheit, Ehrlichkeit, Teamwork, Kreativität... Diese Begriffe wurden als Dekoration und zur Erinnerung in die Glastüren geätzt



Was uns an dieser Einrichtung besonders fasziniert hat, ist die Freiheit, die isländische Schulen genießen und die Möglichkeit, sich ein eigenes Profil zu schaffen. Auf unsere Frage nach den Fächern hieß es hier - wie üblich "Mathematik, Englisch, Isländisch als Kernfächer, dazu "sports, arts, and horse" - "horse"????
Da die berühmten Islandpferde ein wichtiger Wirtschaftssfaktor des Landes sind, kann man hier an dieser höheren Schule bereits Pferdewirtschaft lernen und später auch studieren - nämlich in Hólar, einem 85-Einwohner-Örtchen im Norden, wo an der Fachhochschule Hólaskóli Fischzucht, Pferdewirtschaft und Tourismus unterrichtet wird - die dortige Lehrerin hat zwei Schülerinnen in zwei verschiedenen Jahrgängen (ein Traum ;-) ), der Unterricht beinhaltet Theorie und Praxis wie Reiten, Arbeit auf einem Reiterhof, Pferde beschlagen...
 

Freitag, 29. April 2016

Island - Feuer - Wasser - Insel am Polarkreis

Tag I

The Golden Circle


Die erste Station unserer Reise führt uns zum Nationalpark Þingvellir. Das ist nicht nur Schauplatz der Game of Thrones, sondern hier wurde um 930 die erste Versammlung der "freien Männer Islands" abgehalten. Er zählt daher zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Nachdem um 900 die Landnahme abgeschlossen und die Gebiete an die einzelnen "Goden" (Gruppe reicher Bauern, die auf ihrem Besitz einen Tempel errichteten). In diesen Godentümern wurde auch Recht gesprochen, und ab 900 entstanden die ersten autonomen regionalen Þing-Versammlungen, bis eine Generation später das Bedürfnis entstand, Rechtsprechung und Gesetzgebung landesweit zu vereinheitlichen, Bei dieser basisdemokratischen Veranstaltung, genannt AlÞing, wurde vor gut 1000 Jahren in dieser mystischen Kulisse über alles abgestimmt, was das ganze Volk betraf, so etwa auch über den Übertritt zum Christentum.

Als am 17.6.1944, am Geburtstag des Nationalhelden und Freiheitskämpfers Jón Sigurðsson, die Republik Island ausgerufen wurde, geschah das auch an dieser Stelle.










Man wandert dort auch ein Stückchen durch die Almannagjáschlucht, die sich durch ganz Island zieht und die die Grenze zwischen den tektonischen Kontinantalplatten markiert, die Amerika von Europa und Asien trennen.

Sehr anschaulich lässt sich hier erkennen, wie die Erde an dieser Nahtstelle zwischen dem amerikanischen und dem eurasischen Kontinent stets in Bewegung ist: Ständig fließt Magma an die Erdoberfläche, die beiden Platten driften mit einer Geschwindigkeit von etwa 2 cm pro Jahr immer weiter auseinander.






Und dann natürlich noch die Game-of-Thrones-Kulisse


in diesem eiskalten Wasser wurden die Frauen ertränkt, die Verbrechen begangen hatten (z.B. nach einer Vergewaltigung schwanger wurden)
 


ursprüngliche, archaische Natur, von Eis, Feuer und Wasser geprägt
 


und es war so schrecklich kalt, mit einem scharfen,arktischen Wind
 

Wir nähern uns Haukadalur und seinen Geysiren ...


... das ist nicht die Blaue Lagune, sondern eine bis zu 100° Celsius heiße Quelle
 
und hier nähern wir uns Strokkur, einem Geysir, der etwa alle fünf Minuten eine 15 - 20 m hohe Fontäne ausspeit:




 Zum Golden Circle gehört aber auch der wunderschöne Gullfoss, der goldene Wasserfall.



 Und natürlich gehört auch hierzu eine Geschichte:


Sigríður Tómasdóttir, die etwas streng aussehende Dame auf der Stele, gilt als erste Naturschützerin Islands.Ihrem Vater Tómasson gehörte in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts das Gebiet um den Wasserfall, aber er war sehr arm, Eine britische Firma bot ihm viel Geld, um ihm das Land abzukaufen und den Gullfoss als Energiequelle zu nutzen.
 

Sigríður aber drohte, sich in den Wasserfall zu stürzen, falls der Verkauf zustande käme, und sie marschierte barfuß die 120 km bis Reykjavík, um Aufmerksamkeit und Unterstützung für ihren Protest zu finden. Nachdem der Kauf abgewendet war, baute sie mit ihren eigenen Händen den ersten Weg, um es den Menschen zu rmöglichen, den Gullfoss zu bewundern.


Eine Sommerhaussiedlung:




Die letzte Station unseres Ausflugs galt dem Krater Kerið bei Laugarás, in dem sich ein eingeschlossener See befindet, dessen Oberfläche mit dem Grundwasser zusammenfällt -  das Wasser hat hier überall fantastische Qualität, es schmeckt sehr gut direkt aus der Leitung. Das heiße Wasser, ebenfalls direkt von der Natur geliefert, riecht manchmal ein bisschen schwefelig




... und hier wohnen wieder die Elfen
 

bei Laugarás wird Gemüse in Glashäusern angebaut - das bietet sich eigentlich an bei dem Überfluss an Geothermie
 

In der Ferne sieht man unschuldig Hekla (das Tor zur Hölle), einen der aktivsten Vulkane der Insel

Übrigens: Nach dem Ausbruch des Eyjafjallajökull im April 2011 wollten die Engländer finanzielle Entschädigung von Island durch den Ausfall im Luftverkehr durch den Vulkanausbruch - dessen Auswirkungen dank günstiger Winde in Island kaum zu spüren waren -, und die Isländer reimten: "Sorry, Gordon Brown, we don't have any cash, but we have a lot of ash" ....
Und die eigene Asche war dank der Tatsache, dass all die Cousinen und Cousins aus ganz Island herbeiströmten, um beim Aufräumen zu helfen (typisch Island!) binnen zweier Wochen beseitigt.